2012 – Gerhart R. Baum, Bernd Wagner

Arnold-Freymuth-Preis 2012

Die Jury der Arnold-Freymuth-Gesellschaft hat am 25. Mai in Hamm beschlossen, im Jahr 2012 den Arnold-Freymuth-Preis an zwei Personen zu vergeben:
an Gerhart Rudolf Baum (80) und Bernd Wagner (57).

Gerhart R. Baum

Die Jury hat Gerhart R. Baum ausgewählt, weil er in seinem gesamten Leben für den Erhalt der freiheitlichen Werteordnung des Grundgesetzes eingetreten ist. Von 1972 – 1978 war er parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium des Inneren, anschließend Bundesminister des Inneren in der sozial-liberalen Bundesregierung bis 1982. Dort erkannte er frühzeitig die Bedeutung des Datenschutzes zur Sicherung der Informationsfreiheit. Er trug zur Liberalisierung des sog. Radikalenerlasses bei. Trotz der damals notwendigen Bekämpfung des Terrors der RAF warnte er davor, zugunsten eines Sicherheitsstaates Freiheitsrechte einzuschränken. Nach dem Bruch der sozial-liberalen Koalition setzt er sich weltweit für die Einhaltung der Menschenrechte ein. U.a. war er für die Vereinten Nationen Sonderbeauftragter für Menschenrechte im Sudan. Trotz seines fortgeschrittenen Lebensalters ist er als Opferanwalt tätig und berät osteuropäischer Regierungen in Fragen der Menschenrechte.

Mehr Information zu Gerhart R. Baum:

www.gerhart-baum.de

 

Bernd Wagner


Foto: © Raimond Spekking / CC-BY-SA-4.0 (via Wikimedia Commons)

Bernd Wagner soll wegen seines selbstlosen Engagements im Kampf gegen Rechtsradikalismus und fremdenfeindliche Gewalt ausgezeichnet werden. er war wissenschaftlicher Mitarbeiter im Mobilen Beratungsteam Brandenburg (MBT) der Regionalen Arbeitsstellen für Ausländerfragen, Jugendarbeit und Schule (RAA) Brandenburg. Er ist Initiator der Organisation Exit, die seit Jahren rechtsradikale Jugendliche darin unterstützt, aus der Szene auszusteigen. Wagners Studien zum Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit finden auch international Beachtung. Sie decken auf wie Ideologien die Freiheit und die Würde des einzelnen Menschen abwerten.

Mehr Information zu Bernd Wagner:

de.wikipedia.org/wiki/Bernd_Wagner_(Kriminalist)

2008 – Seyran Ateş

Arnold-Freymuth-Preis 2008

Seyran Ateş

Seit 1994 verleiht die Arnold-Freymuth-Gesellschaft im Turnus von zwei Jahren einen Preis an Persönlichkeiten, die sich in besonderer Weise um unseren demokratischen und sozialen Rechtsstaat verdient gemacht haben. Erster Preisträger war, voll in der Tradition des Namensgebers der Gesellschaft stehend, der als unerschrockene „Anwalt im kalten Krieg“ bekannt gewordene Rechtsanwalt und spätere Justizminister des Landes NRW Dr. Diether Posser. In diese Traditionslinie reiht sich auch die Peisträgerin des Jahres 2008 ein.

Die Preisverleihung fand am Sonntag, den 23. November 2008 im Forum des Gustav- Lübcke- Museum Neue Bahnhofstraße 9, 59065 Hamm statt.

Der Präsident der Gesellschaft, der Vorsitzende Richter am Bundesarbeitsgericht Franz Josef Düwell, begrüßte die zahlreich erschienen Gäste. Er erinnerte bei dieser Gelegenheit an den im Mai verstorbenen Prof. Dr. Erich Küchenhoff, einem unerschrockenen Menschenrechtsaktivisten, der auch an der Gründung der Freymuth-Gesellschaft beteiligt war.

In seiner Begrüßungsansprache ging der Hammer Oberbürgermeister Thomas Hunsteger- Petermann auf die wichtige kommunalpolitische Zukunftsaufgabe Integration ein.

Als Sprecherin der Jury begründet Frau Oberbürgermeisterin a. D. Prof. Sabine Zech die Entscheidung. Sie stellte dar, wie sehr sich die Preisträgerin um unseren demokratischen und sozialen Rechtsstaat verdient gemacht hat.

Zur Finanzierung ihres Jurastudiums arbeitete Frau Ates in einem Frauenladen für türkische und kurdische Migrantinnen, wo sie 1984 die Ermordung einer Klientin durch deren Ehemann miterleben musste und dabei selbst schwer verletzt wurde. Die Genesung zog sich lange hin, so dass sie erst 1997 ihr zweites Staatsexamen absolvieren konnte. Seitdem kämpft sie gegen Kopftuchzwang, Zwangsheirat und Ehrenmorde an. Wegen ihrer engagierten anwaltlichen Tätigkeit für türkische Frauen wurde sie von gewaltbereiten Ehemännern beleidigt, bedroht und auch körperlich misshandelt. Sie hat sich dennoch nicht von ihrem Engagement abbringen lassen.

In ihrer Laudatio auf die Preisträgerin würdige die Bundestagspräsidenten a.D. Frau Prof. Dr. Rita Süssmuth die Verdienste der Preisträgerin.

Der prominente Festredner Prof. Dr. Klaus Bade erläuterte die Bedeutung von Zuwanderung und Integration für unsere Republik.

Die Preisträgerin hielt eine bemerkenswerte Dankrede. Sie dankte nicht nur für die Auszeichnung sondern vor allem, dass ihre neue Heimat die Bundesrepublik Deutschland ihr die Chance gegeben habe, sich zu bilden und den Traumberuf einer Rechtsanwältin zu ergreifen.

 

Mehr Informationen zu Seyran Ateş:

www.seyranates.de

 

Bilder der Preisverleihung